PIXCREATION hat sich einmal schlau gemacht, was man in diesem Jahr auf keinen Fall verpassen sollte.

Am Anfang war der Code. Und der Programmierer sah, dass es gut war. Denn damals war das Internet eine Plattform rein für den Informationsaustausch und bestand aus der Auszeichnungssprache HTML. Und diese war zweckmäßig. HTML wandelte sich schnell zu einem Universalwerkzeug für kreative visuelle Gestaltung von Multimedia, aber stieß schon sehr bald an ihre Grenzen. Mitte der 1990er Jahre bot den Pionieren des Webdesigns die Formatierungssprache CSS (Cascading Style Sheets) völlig neue Gestaltungs-Möglichkeiten. Der Wechsel von Farben und Schriftarten, ganze Designüberarbeitungen von Webseiten, wurde mit CSS zum Kinderspiel. Mit JavaScript, PHP und SQL wurden die Webseiten dann sogar noch dynamisch. Dynamisch bedeutet, dass die Webseite erst dann vom Server erstellt wird, wenn sie aufgerufen wird. Auf diese Weise bekommt der Benutzer immer die aktuellen Infos und News, was vor allem für Nachrichtenticker überaus nützlich ist. Die Informationsproduzenten müssen so nicht jede Webseite von Hand neu erstellen, sondern stellen ein Template von gleich bleibenden Elementen zusammen. Immer wiederkehrende Elemente sind nur ein Mal vorhanden und können zentral gepflegt werden.

Die Entwicklung des Webdesigns ist bisher genauso rasant verlaufen, wie die des Internets und auch Produktdesigns, wie die des iPhones, haben uns allein in den letzten 7 bis 10 Jahren mehrfach vom Hocker gehauen. Doch seit gut einem Jahr stagnieren die Innovationen und eine Ära der Designmüdigkeit läutet sich ein. Was das Jahr 2014 geprägt hat, waren eher Personalisierung und Optimierung anstatt Neuerung.

RESPONSIVE DESIGN: VOM TREND ZUR NEUEN NORM

Auch 2015 wird sich das voraussichtlich nicht ändern. Doch das ist auch mal ganz gut so. Immer neue Effekte und Trends machen auf Dauer schwindelig und müssen sich zwangsläufig in den eigenen Schwanz beißen. Oder sie sind so gut, dass sie sich als neue Norm etablieren, wie das Responsive Design. Diese Trend-Verschnaufpause 2014/15 bietet den Webentwicklern die Gelegenheit zur Regeneration und Muße, sich auf die Optimierung dieses Dauerbrenners und neuen Standards zu konzentrieren. Schließlich müssen Wege gefunden werden, um die Ladezeiten auf mobilen Geräten zu verringern, die Usability zu steigern und die User-Experience zu einer ganz individuellen zu machen. Und zwar für jedes Endgerät optimiert und überall.

ONE-PAGE DESIGN & INFINITY SCROLLING: DAS ENDE DES WEBSEITENLABYRINTHS

Eine gute User-Experience bedeutet auch, den Nutzern immer mehr individuelle Inhalte vorzuschlagen, anstatt sie nach Inhalten suchen zu lassen. So wollen die Webseiten-Betreiber an Relevanz für den Nutzer gewinnen. Aber nicht nur die Relevanz einer Webseite spielt eine große Rolle im Webdesign. Auch die Benutzerfreundlichkeit, also die Usability, steht stark im Fokus der Webentwickler.

Mit der rasant zunehmenden mobilen Nutzung des Internets werden verschachtelte Seitenaufbauten und das ständige Klicken immer nerviger. Zudem ist diese Unterseiten-Architektur ziemlich mühselig und sehr Ladezeitenintensiv.

Scrollen ist das neue Klicken auf Endgeräten ohne Maus. One-Page Design macht es möglich. In diesem werden die Inhalte von ehemals mehreren verschachtelten Seiten und Unterseiten einfach untereinander gestellt und durch visuelle Abhebungen, wie Bilder, Animationen oder Farben, optisch voneinander getrennt.

Durch einen sogenannten One-Pager kann der User viel intuitiver und ohne lästiges Laden weiterer Seiten navigieren. So macht das Surfen im Internet wirklich Spaß und wird von der ehemals langwierigen Navigations-Expedition durch die einzelnen Webseiten zur echten User-Experience.

INTERACTIVE STORYTELLING: ES WAR EINMAL…
ODER DOCH NICHT?

Wenn man nun all diese Optimierungen zusammennimmt, ergibt das die perfekte Basis für eine in sich stimmige, flexible und fließende User-Experience. Warum übernimmt man diesen `Flow ́ nicht auch in den Content? Genau das ist die dritte Entwicklung des Webdesigns, die sich im neuen Jahr optimieren wird: Interactive Storytelling. Dabei geht es nicht um das Erzählen von Märchen oder Science Fiction Stories. Es geht um eine mitreißende und fließende Darstellung des WebseitenContents, die auf ästhetische Weise die Neugier der Leser weckt.

Texte, Bilder, Daten, Audio und Video-Elemente fügen sich zusammen zu einer packenden Geschichte oder gar zu einer ganzen Welt, die die Nutzer interaktiv entdecken können. Die preisgekrönte Reportage „Snow Fall“ der New York Times ist das bekannteste Beispiel. 

PARALLAX-SCROLLING

Ein schon bekanntes Feature, nicht nur im Interactive Storytelling, ist das Parallax-Scrolling. Dieses freie und losgelöste Scrolling-Erlebnis sind vor allem auf One-Page Layouts nicht mehr wegzudenken. Allerdings hapert ́s bei mobilen Endgeräten noch oft an der Ladezeit, deren Optimierung im kommenden Jahr auf der To-Do-Liste der Webdesigner weit oben steht.

DIE MODE TENDIERT WIEDER ZU FLACH

Musste es vor einigen Jahren noch sehr tief und nach 3D aussehen, geht der Trend jetzt wieder ganz klar in Richtung flach. Flach bedeutet, klare Strukturen und Farben, so wenig wie möglich, nur so viel wie nötig. Keine Schattierungen, keine 3D-Effekte oder Hochglanz. Weniger ist mehr und Minimalismus und Übersichtlichkeit siegt über Effekthascherei und Protz-Aufgeboten.

Kantige Design-Formen und Flat-Elemente rücken eine Webseite in ein ganz anderes Licht und setzen damit neue Bewertungsmaßstäbe. Nach mollig und rund kommt nun flach und kantig. Wir werden sehen, wie lange dieser Trend anhält. Bis ins neue Jahr auf jeden Fall. Der Trend hat gerade erst begonnen und verspricht, interessant zu werden.

TYPOGRAPHIE: THE MEDIUM IS THE MESSAGE

Marshall McLuhan hätte es nicht treffender formulieren können. Und nun hat diese kommunikationswissenschaftliche Erkenntnis auch endlich Einzug in die Webdesign-Welt gehalten. Und zwar in Form von Typographie.

Seit jeher gilt die Handschrift als ganz individuelles Markenzeichen einer Person. Und so muss auch die Typographie als Aushängeschild eines Unternehmens gesehen werden. Die Message einer Webseite mit einer individuellen, zum Unternehmen passenden Schriftart wirkt viel aussagekräftiger, als mit 08/15 Times New Roman oder Arial.

Und in Zeiten von Google Fonts und anderen Anbietern sind Eigenkreationen von Schriftarten erschwinglich und gehören fast schon zum feinen Ton der Webpräsenz. Wo die Stimme fehlt, muss eben die Schrift Gefühl zeigen.

Typographie: Andy Jörger – www.nd80.de

GROSS, GRÖSSER, FULLSCREEN

Präsent und elegant wirken Fotos und Videos im Fullscreen-Background. Dieser Trend möchte zum Ausdruck bringen, dass man nichts zu verbergen hat. Stolz zeigt man her, was man hat, und das auf eine schlichte und dennoch ergreifende Art und Weise.

Fullscreen-Bilder und -Videos fügen sich wunderbar in das Konzept des OnePageDesignsundmachenimmereinen fulminanten ersten Eindruck. Emotionen auf den ersten Blick und WowEffekte, wo der Webdesigner sie haben möchte. Woran es allerdings noch zu arbeiten gilt, ist das ewige Thema Ladezeit. Das sollte im Jahr 2015 jedoch in den Griff zu bekommen sein.

GHOST BUTTONS UND MICRO-INTERACTIONS

Ein Design-Feature, das sich elegant und dezent in die schicken Fullscreen-Backgrounds und großflächigen Bilder einfügt, sind Ghost Buttons. Sie bestehen nur aus der Outline und verschmelzen ansonsten perfekt mit dem Hintergrund. Dieses minimalistische Feature passt nur zu gut zu all den bereits angesprochenen Trends im nächsten Jahr und dessen Weiterentwicklung wird von Freunden der WebÄsthetik sehnsüchtig erwartet.

Microinteractions dagegen rufen erst einmal ambivalente Gefühle aus. Diese Fenster erscheinen beim Aufrufen von bestimmten Webseiten oder bei bestimmten Aktionen auf der Seite automatisch und müssen erst aktiv geschlossen werden, um zur eigentlichen Seite zu gelangen. Beispiele sind Newsletter-Subscriptions, Aufforderungen zu Umfragen oder Kommentaren, aber auch einfach zusätzliche Hinweise für den User.

Es ist fraglich, ob sich dieser Trend durchsetzt. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, die Besucher zu mehr Interaktion zu bewegen. Allerdings ist es gut möglich, dass es auf Dauer beim Browsen stört. Hier gilt es, wirklich pfiffige Designs und wirklich interessante Infos in solche Micorinteractions zu packen.

Bild: Jan Walford – www.janwalford.de

PERSONALIZED UX

Die Idee, Cookies zu benutzen, um das Interesse der Nutzer zu erfahren, ist nicht neu. Aber leider wurde sie oft für Spam-Werbung zum Beispiel durch Popups missbraucht.

Im Jahr 2015 wird dieses Feature wohl in einer stilvolleren Funktion wiederkehren und Cookies salonfähig machen. Netflix und auch YouTube nutzen diese Technik bereits, um die persönlichen „Last views“ jedes Nutzers zu speichern und diese Information intelligent zu nutzen. Auch im redaktionellen Bereich, wie Online-Zeitungen, Koch-Seiten etc., machen Cookies durchaus Sinn.

So bekommt der User beim nächsten Besuch sofort Artikel aus seinem persönlichen Interessengebiet angezeigt oder kann Kommentare und Einträge verfolgen. Werden Cookies zugunsten einer besseren Personalisierung und einer proaktiven Benutzerfreundlichkeit anstatt für Werbung eingesetzt, sind sie ein durchaus wirkungsvolles Tool, das den Webdesignern viel Spaß und dem User eine angenehmere UserExperience verschaffen wird.

Im Jahr 2015 verdichten sich die Trends der letzten Jahre und haben vor noch besser zu werden. Für alle Internetnutzer soll so ein noch einmaligeres Erlebnis im Netz geschaffen werden.

Text: Mareike Schmalen